Fußball

Im Fußballhimmel und auf Erden


Fangesänge und Jubelchöre, Fußballgötter und Himmelsstürmer – im Freudentaumel verschwinden sie schon mal, die Grenzen zwischen Fußball und Religion. Dass beide viel gemeinsam haben, ist nicht neu: Rituelle Zusammenkünfte (zur Messe oder zum Spiel), begeisterte Anhänger (Fans und Gemeindemitglieder) und der unbedingte Glaube (an Gott, an den Sieg) vereinen hunderttausende Menschen – vom 12. Juni bis 13. Juli 2014 wieder bei der Fußball-Weltmeisterschaft!


Deutsche Fußball-Fans, Bild: fotolia.de, Christian Schwier

Deutsche Fußball-Fans jubilieren (Bild: fotolia.de, Christian Schwier)


Dass Fußball einigen sogar als "Ersatzreligion" gilt, geht gläubigen Christen vielleicht etwas zu weit – dass Fußball auch etwas mit Glauben zu tun hat, ist aber unbestritten. Auch in der Deutschen Nationalmannschaft spielt Religion eine Rolle: Ob Miroslav Kloses nach einem Tor geschlagenes Kreuzzeichen oder Jerome Boatengs christliche Tattoos (die Jungfrau Maria auf dem linken Unterarm; auf dem rechten Oberarm ein Kreuz) – viele deutsche Nationalspieler bekennen sich zu ihrem Glauben. "Gott glaubt stets an dich, also verliere du auch nie den Glauben an dich", ist eine Lebensweisheit von Lukas Podolski – eine, die ihm in seiner wechselvollen Karriere wahrscheinlich schon oft weitergeholfen hat.


Logo der Aktion Steilpass von Adveniat, Bild: aktion-steilpass.de

(Bild: aktion-steilpass.de)

Fairplay für alle

In Brasilien wird es während der Fußball-Weltmeisterschaft 2014 allerdings wohl nicht nur um Tore und Titel gehen, sondern vor allem auch um die Menschen, die in diesem Land leben und von denen rund zwei Drittel katholisch sind. Denn das Scheinwerferlicht der Weltöffentlichkeit zeigt nicht nur die Fußballbegeisterung der Brasilianer, sondern bringt auch die Schattenseiten des Landes zum Vorschein, vor allem die gewaltigen Unterschiede zwischen den vielen Armen und den wenigen Reichen.
Viele Brasilianer fragen sich, warum das Land zwar in der Lage ist, Milliarden Euro in den Neubau von Fußball-Arenen zu investieren, es aber zum Beispiel nicht schafft, für alle Menschen im Land eine bezahlbare und funktionierende Gesundheitsversorgung, ein Nahverkehrssystem und angemessene Bildungsangebote einzurichten. Im Vorfeld der WM haben deswegen bereits Millionen Menschen auf den Straßen Brasiliens für mehr Gerechtigkeit demonstriert und auch für die kommenden Wochen werden Unruhen erwartet. Die Proteste richten sich dabei explizit nicht gegen den Fußball – Brasilien ist schließlich eine Fußballnation – sondern gegen die Lebensumstände im Land.

Schon seit Jahrzehnten versuchen sich in Brasilien engagierte Gruppen gegen Missstände im sozialen Bereich zu wehren, auch kirchliche Organisationen sind dabei. Das katholische Hilfswerk Adveniat macht sich mit seiner Aktion Steilpass für mehr Fairness und Gerechtigkeit stark – gemeinsam mit dem Sportverband DJK, der Katholischen Arbeitnehmerbewegung KAB, der Katholischen Landjugendbewegung KLJB und Kolping International. Das Aktionsbündnis setzt sich dabei besonders für die Ärmsten der Armen ein, beispielsweise für die indigene Bevölkerung Brasiliens. So kritisieren die Verantwortlichen der Aktion Steilpass etwa den Raub des Regenwaldes als Lebensgrundlage der indigenen Bevölkerung – viele wurden vertrieben, um Baumaßnahmen für die Weltmeisterschaft Platz zu machen. Aber auch die Unruhen in den brasilianischen Favelas rund um die neu errichteten Fußballstadien sind ein Thema. Zehn Forderungen haben die Steilpass-Aktivisten gemeinsam mit der Brasilianischen Bischofskonferenz und der Brasilianischen Ordenskonferenz aufgestellt – damit der Gewinner der Fußballweltmeisterschaft nicht nur irgendeine Mannschaft ist, sondern die gesamte Bevölkerung in Brasilien!


Video

 


Aktion Steilpass

Beim Fußball gelten klare Regeln: Fouls werden bestraft, Abseitstore gelten nicht, ein Spiel dauert 90 Minuten und die Schiedsrichter achten auf die Einhaltung der Regeln. Das Aktionsbündnis Steilpass fordert für die Weltmeisterschaft in Brasilien nicht nur klare Regeln im Fußball, sondern auch die Einhaltung von zehn Regeln für mehr Menschlichkeit. Mehr Infos dazu gibt's im Video!

https://www.youtube.com/watch?v=0a6p7_N0mzQ&list=UUuazXxTwOY35xXjHtrQnEHg


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Weihbischof Johanns Wübbe im Mini-Fußball-Interview

Herr Weihbischof, Sie sind Fan von Bayern München, sieben Bayern-Spieler sind mit dem deutschen Nationalteam in Brasilien - werden wir mit denen den WM-Pokal holen?
Ich denke schon, dass die nominierten Spieler eine starke Mannschaft sein werden. Sie werden sich von Spiel zu Spiel als typische Turniermannschaft steigern, bis ins Endspiel kommen und daraus hoffentlich als Sieger hervorgehen.

Worauf freuen Sie sich am meisten bei der Fußball-Weltmeisterschaft?
Ich freue mich auf spannende Spiele, auf eine fröhliche Fußballweltmeisterschaft. Wir sollten aber auch die in Brasilien nicht vergessen, die unter großer sozialer Not leiden. Ich unterstütze die Forderungen der Aktion Steilpass!

Und nun die alles entscheidende Frage: gibt es einen Fußballgott bzw. hilft beten für den Sieg?
Nein, an einen Fußballgott glaube ich nicht. Ich erinnere mich, dass Bundesligaspieler auf die Frage, warum sie vor dem Spiel beten, geantwortet haben: "Wir beten für ein faires Spiel und dass wir uns in Würde begegnen." Darum kann man natürlich beten!