Wärmestube Osnabrück

30 Jahre Hilfe für Wohnungslose


"Man kann viel reden. Glaubwürdig wird man erst, wenn man etwas tut", lobte Bode in seiner Predigt die ehrenamtlichen Helfer der Wärmestube Osnabrück. Ihre Mitarbeit trage dazu bei, dass in der Einrichtung jeden Tag so etwas wie die Brotvermehrung aus der Bibelgeschichte von der Speisung der 5.000 mit fünf Broten und zwei Fischen geschehe. "Die Wärmestube ist ein Ort der Hoffnung für unzählige Besucher", sagte Bode. In einer Gesellschaft, in der Armut wachse und immer mehr Menschen durch die Maschen des sozialen Netzes fielen, so der Bischof weiter, sei die Wärmestube aber auch ein Ort der Herausforderung, der wie ein Stachel im Fleisch sitze. Bode nannte die Hilfsstelle eine "gute Adresse und ein starkes Stück der Stadt Osnabrück und der Kirche in Osnabrück." Es werde etwas Wichtiges und Sinnvolles für die Sozialkultur geleistet.


Beim 30-jährigen Jubiläum der Wärmestube kam Bischof Franz-Josef Bode (rechts im Bild) mit Wohnungslosen zusammen, Bild: Bistum Osnabrück

Beim 30-jährigen Jubiläum der Wärmestube kam Bischof Franz-Josef Bode (rechts im Bild) mit Wohnungslosen zusammen (Bild: Bistum Osnabrück)

Der Bischof mischte sich nach dem Gottesdienst unter die Gäste. Er ging von Tisch zu Tisch und führte viele Gespräche. Neben Generalvikar Theo Paul, Oberinnen des Ordens der Thuiner Franziskanerinnen, vielen langjährigen Helfern sowie den ständigen Besuchern der Wärmstube gehörten auch zwei "Ehemalige" zu den Gästen. Über das Wiedersehen mit Schwester Clemensa, die jetzt Chefin einer großen Hilfsstelle für Wohnungslose in Hamburg ist, und der früheren Küchenchefin Schwester Rudolfinis, die sich in den Ruhestand zurückgezogen hat, freuten sich viele Besucher und Helfer besonders.

Die beiden Franziskanerinnen und Schwester Josefo, die bis heute in der Wärmestube arbeitet, haben die Wärmestube sechs Jahre lang gemeinsam geleitet. Zurzeit ist die Hilfsstelle nur mit einer Schwester besetzt, aber dafür hat das Bistum eine feste Stelle für den Diakon Joachim Meyer eingerichtet, der seit März Leiter ist. Bischof Bode betonte, dass die Wärmestube damit bis ins geweihte Amt der Kirche vorgedrungen sei. "Das ist ein ganz wichtiges Zeichen", sagte er. Als Eigentümer des Gebäudes überlässt der Bischöfliche Stuhl der Wärmestube mietfrei die Räume, aber mit der festen Stelle ist die Hilfsstelle nun erstmals auch in der Personalplanung des Bistums verankert.

Die Wärmestube ist nach den Worten von Meyer das niedrigschwelligste Hilfsangebot für Wohnungslose in Osnabrück. "Zu uns kann jeder kommen. Niemand muss seinen Ausweis vorzeigen und keiner wird gefragt, ob er wirklich hilfsbedürftig ist", sagte er. Die Hilfsstelle ist täglich von 7 Uhr bis zum späten Nachmittag für die Wohnungslosen geöffnet, Ruhetage gibt es nicht. Es gibt kostenlos Frühstück und Mittagessen, die Gäste können Sanitär-, Ruhe- und Aufenthaltsräume nutzen, sich neu einkleiden oder ihre Sachen waschen lassen. Laut Meyer kommen jeden Tag 100 bis 150 Gäste in die Wärmstube. Jeweils zum Monatsende steigt die Zahl, wenn den Leuten das Geld ausgeht. "Es sind Menschen ohne Wohnung oder sie haben kein Geld mehr. Bei manchen Gästen reicht die Rente einfach nicht. Aber auch Alkohol, Drogen und vor allem Spielsucht spielen eine Rolle und es sind Leute mit psychischen Erkrankungen dabei", so Meyer.

Die Hilfsstelle besteht bereits seit 1981 als reiner Spenden- und Freiwilligenbetrieb. Es kommen jeden Tag ehrenamtliche Helfer, die etwa das Mittagessen kochen, Speisen servieren oder in der Kleiderkammer helfen. Eigene Mittel hat die Wärmestube nicht, alle Hilfen werden nur aus Spenden finanziert. Einzelhändler, Großhändler und Lebensmittelhersteller stellen kostenlos Waren zur Verfügung, die nicht mehr verkauft werden können. Aber die Menge der Spendenware geht zurück, in den Betrieben wird immer enger kalkuliert. "Finanzielle Unterstützung wird deswegen immer wichtiger für uns", sagte Meyer.

Die Hilfsstelle wurde 1981 von dem Franziskaner Bruder Otger in einem Kellerraum des Klosters eröffnet, das von 1979–2004 in dem Gebäude an der Bramscher Straße bestand. Zunächst wurden nur warme Essen an die "Brüder von der Straße" ausgegeben. Bereits im zweiten Jahr wurde eine Töpferwerkstatt eingerichtet, um den Wohnungslosen Beschäftigungsmöglichkeiten zu bieten und der Hilfsstelle durch den Verkauf der Erzeugnisse eine Einnahmequelle zu erschließen. Bald darauf erweitete der Gründer die Hilfsstelle um Sanitäranlagen, Aufenthaltsräume und eine Kleiderkammer, schließlich richtete er sie auch für wohnungslose Frauen ein. In dieser Form besteht die Wärmestube bis heute. Der Gründer leitete die Wärmestube bis zu seinem Tod im Jahr 1998. Im Jahr darauf übernahmen die Thuiner Franziskanerinnen die Leitung. Drei Schwestern wurden für die Arbeit in der Hilfsstelle abgestellt. Als das Franziskanerkloster im Jahr 2004 aufgelöst wurde und ein Studentenwohnheim in dem Gebäude eingerichtet wurde, erhielt die Wärmestube weitere Räume hinzu. Ein weiterer wichtiger Schritt war die Einrichtung der Praxis "Zahn um Zahn" des Caritasverbandes (2008), in der Wohnungslose kostenlos dentistisch versorgt werden.



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