Babybücher

Drei, zwei, eins - Lesestart!


Babys und Bücher - geht das schon? Na klar - sagt  das neue Projekt "Lesestart", das jetzt in vielen katholischen Büchereien im Bistum angelaufen ist. Zum Beispiel im emsländischen Beesten.

Dieses Bauernhof-Buch findet Ziwa richtig klasse. Es ist quietschbunt, fühlt sich auf einer Seite weich wie Watte an und knistert auf der nächsten wie Bonbonpapier. Das 17 Monate alte Mädchen kann nicht anders: Sie guckt, greift, knibbelt - und beißt herzhaft rein. Ihre Mutter Verena Preun und Mechthild Roling lachen gleichzeitig auf. "So ist das richtig", sagt die Leiterin der Fachstelle für katholische öffentliche Büchereien im Emsland. Kleine Kinder müssen Bücher sehen, hören, begreifen und manchmal auch schmecken.


Müttern beim Projekt "Lesestart", Bild: kirchenbote.de

Lesen lernen fängt mit Bildern an: Mechthild Roling (Mitte) stellt Müttern das Projekt "Lesestart" vor

Damit ist Mechthild Roling im Thema. Sie hat sich mit Frauen aus dem Beestener Mutter-Kind-Kreis in der Bücherei getroffen. Und stellt ihnen das neue, landesweite Projekt "Lesestart" vor. Die Büchereizentrale Niedersachsen und das Kultusministerium wollen damit Eltern ermuntern, von Anfang an mit ihren Babys und Kleinkindern zu lesen und die Bücherei als wichtige Anlaufstelle zu entdecken.
"„Viele wissen nicht, wie stark das Anschauen von Bilderbüchern und das Vorlesen die sprachliche Entwicklung ihrer Kindern fördert. Das ist einer der einfachsten Wege, Bildungschancen zu verbessern", sagt Roling. Deshalb machen zahlreiche Katholische Öffentliche Büchereien (KÖB) bei dem bis 2012 laufenden Projekt mit. 

In diesen Wochen hatten die Teams dafür jede Menge Laufarbeit zu erledigen. Allein im Emsland haben sie 2000 "Lesestart"-Beutel an Familienzentren, Hebammen und vor allem Kinderärzte verteilt. Denn die sind ebenfalls Partner des Projekts. Immer wenn Eltern mit ihrem gut einjährigen Kind zur U-6-Vorsorgeuntersuchung in die Praxis kommen, nehmen sie am Ende eine gut gefüllte Jutetasche mit. Darin steckt ein stabiles Bilderbuch zum Angucken und Vorlesen, ein gut gemachter Vorleseratgeber, ein kleines Lesetagebuch - und ein Gutschein für einen Benutzer­ausweis in der Bücherei. Damit können sie für ihr Kind ein Jahr lang umsonst Bücher, Kassetten oder Spiele ausleihen.


"Das läuft super", sagt der Meppener Kinderarzt Joachim Bokelmann, der zutiefst überzeugt ist von dem Projekt. 50 Beutel hat seine Praxis erhalten, gibt sie konsequent bei der U 6 ab - "und die Eltern fragen regelrecht danach". Bei seiner Arbeit hat er beobachtet, dass Sprachprobleme bei Kindern zunehmen. "Gerade junge Eltern setzen mehr auf andere Medien", sagt er zum manchmal unbefristeten TV-, Computer- und Konsolenkonsum kritisch. "Dabei ist Lesen für die Sprache enorm wichtig."

Die Büchereien machen noch mehr, als die Sets an den Arzt zu bringen. Sie richten "Lesestart-Ecken" mit Büchern für die Allerkleinsten ein, erweitern ihre Bestände, wollen junge Familien durch Aktionen direkt ansprechen. "Wir laden alle Eltern mit kleinen Kinder schriftlich zu einem schönen Nachmittag bei uns ein", nennt die Beestener KÖB-Leiterin Marlies Meiners ein Beispiel. Dabei bekommen Mütter und Väter auch Tipps, wie sie durch Reime, Fingerspiele oder kleine Basteleien das Vorlesen zu einem richtigen Spaß machen.

Bei der Beestener Mutter-Kind-Gruppe sind Mechthild Roling und Marlies Meiners damit an der richtigen Adresse. Regelmäßige Ausleihe in der Bücherei, jeden Tag mindestens eine Gute-Nacht-Geschichte, immer mal wieder ein neues Buch: Das sind für diese Frauen feste Rituale. "Das darf gar nicht ausfallen", sagt Maria Trepohl. Gern nehmen sie eine "Lesestart-Tasche" und viele Lesetipps von Mechthild Roling mit. Ihre Kinder müssen ohnehin nicht überzeugt werden. Ohne Buch gehen Ziwa, Minou und Noah heute nicht nach Hause.



Suche und Serviceangebote

Lesetipps für Eltern

- Schauen Sie sich von Anfang an gemeinsam Bücher an, auch wenn Ihr Kind noch nicht alles benennen kann.

- Suchen Sie sich ein schönes Plätzchen, schaffen Sie ein festes Ritual; kurz nach dem Mittag oder vor dem Schlafen.

- Unterbrechen Sie das Vorlesen nicht; lassen Sie das Telefon klingeln, beantworten Sie die SMS später.

- Lassen Sie Ihr Kind Buch oder Geschichte selbst aussuchen, auch wenn das bedeutet, dass Sie immer wieder die gleiche Geschichte vorlesen müssen.

- Lesen Sie selbst! Sie sind das beste Vorbild (und Spaß macht's auch)!