Das Kinderzimmer - ein Zuhause im Zuhause
Welche Bedeutung hat ein eigenes Zimmer für Kinder?
Das Kinderzimmer ist mehr als eine separate Schlaf-, Spiel- und Arbeitsstätte für den Nachwuchs. Es ist für das Kind eine Hilfe, seinen eigenen Platz im Leben einzunehmen. Hier wird ein Grundstein zur Entwicklung des Selbstwerts gelegt. Das Kind darf erleben, dass ihm ein eigener Raum zugedacht ist. Und es soll lernen, diesen als Lebensraum anzunehmen und zu gestalten. Das Kinderzimmer hat aber auch Bedeutung für Eltern?
Wo liegt der Nutzen für Eltern?
Das Kinderzimmer ermöglicht Kindern einen Rückzug. Und dieser kommt auch Eltern zugute, die so mehr Raum und Zeit für sich gewinnen. Das Kinderzimmer trägt auf beiden Seiten zur Abnabelung bei. Es ist ein Schutzraum, eine unerlässliche kleine Intimsphäre - wenn auch die notwendige Fürsorge und Nähe zu den Eltern gewahrt bleibt.
Warum fördert ein Kinderzimmer das Erwachsenwerden?
Dem heranwachsenden Kind wird mit der persönlichen Gestaltung seines Zimmers eine Aufgabe übertragen, die zu Selbstständigkeit und Verantwortlichkeit führt. Es lernt, sich für die eigene Sache einzusetzen und Verantwortung zu übernehmen. Eltern können an dem Zimmer ablesen, was durch Worte nicht zum Ausdruck gebracht wird. Etwa wofür sich das Kind interessiert, wie es mit seinen Sachen umgeht oder unter welchen Bedingungen es sich besonders wohlfühlt. Gut, wenn Kinder und Jugendliche diesen Experimentierraum haben und ihren eigenen Geschmack und persönlichen Stil finden können!
Muss jedes Kind ein eigenes Zimmer haben?
Ob jedes Kind ein eigenes Reich für sich hat, hängt davon ab, wie viel ohnraum sich eine Familie leisten kann. Gemeinsam mit Geschwistern einzuschlafen und aufzuwachen, kann eine schöne Kindheitserfahrung sein. Bei großem Altersunterschied oder verschieden geschlechtlichen Teenagern ist ein eigenes Zimmer wichtig.
Wie oft sollte das Zimmer altersgemäß verändert werden?
Kinderzimmer wandeln sich mit ihren Bewohnern. Da jedes Kind sein individuelles Entwicklungstempo hat, gibt es keine Standardantwort. Wichtig ist, dass das Kind sein Zimmer als eigenen Raum erleben kann. Ein Kindergartenkind braucht Platz zum Bauen und Toben, ein Schulkind einen eigenen Arbeitsplatz, Jugendliche eine Sitzecke, um mit Gleichaltrigen zu klönen. Eltern sind gut beraten, wenn sie kein komplettes Jugendzimmer von der Stange kaufen, sondern Raum fürs kreative Gestalten lassen.
Was tun, wenn im Kinder- oder Jugendzimmer Chaos herrscht?
Ordnungsvorstellungen von Kindern und Eltern sind oft sehr unterschiedlich. Vorschulkinder brauchen Anleitung und das elterliche Vorbild. Wo gebaut und gebastelt wird, muss nicht jeden Abend alles weggeräumt werden. Ein Dauerkonflikt ums Ordnunghalten lässt sich durch Toleranz und Absprachen vermeiden. Ein Jugendzimmer kann für Eltern durchaus ein "exterritoriales Gelände" sein, das sie womöglich um des eigenen Seelenfriedens nicht betreten. Aber auch sie haben ein Recht, sich in der eigenen Wohnung wohlzufühlen. Dazu gehört, dass die Grundregeln der Hygiene auch im Kinder- oder Jugendzimmer beachtet werden. Fürs Staubsaugen können Kinder ab zwölf Jahren selbst zuständig sein – inklusive Wäschesortieren und Müllbeseitigen.
Ist es nötig, vor Betreten des Kinderzimmers anzuklopfen?
Die Achtung vor der Persönlichkeit des Kindes drückt sich darin aus, dass Grenzen und Freiräume geachtet werden. Das unangemeldete Hereinplatzen der Eltern kann der Übergriffigkeit eines Überfalls nahekommen. Besonders wenn Jugendliche Besuch haben, sollten Eltern sich vor dem Eintreten bemerkbar machen. Im Gegenzug klopfen Teenager am Elternschlafzimmer an.
Sollte das Kinderzimmer bestehen bleiben, wenn die Kinder aus dem Haus gehen?
Ein Kinderzimmer darf kein Museum werden. Zieht das Kind aus, ist ein Lebensabschnitt zu Ende. Es beginnt etwas Neues. Für Kinder ist es dann wichtig, das Neue einzunehmen mit der Sicherheit, im Elternhaus weiterhin willkommen zu sein. Dies drückt sich nicht in einem "toten" Raum aus.
Also ruhig umgestalten?
Ja. Das umgestaltete Kinderzimmer gibt den Eltern die Chance, dem jungen Menschen zu zeigen, dass sie ihn in zuversichtlicher Weise loslassen. Es ist ein Zeichen, dass sie ihm zutrauen, den eigenen Weg gehen und finden zu können. Dieses Zutrauen macht zum Leben stark.
