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Es war einmal ein reicher Mann, der sich in Purpur und feines Leinen kleidete und Tag für Tag herrlich und in Freuden lebte. Vor der Tür des Reichen aber lag ein armer Mann namens Lazarus, dessen Leib voller Geschwüre war. Er hätte gern seinen Hunger mit dem gestillt, was vom Tisch des Reichen herunterfiel.

Lukasevangelium 16, 19-21a (Einheitsübersetzung)

 
"Von 14 Dollar im Monat kann keine Familie überleben." Die Aussage stammt von Welthungerhilfe-Präsidentin Bärbel Diekmann. In einem Interview mit dem Berliner "Tagespiegel" sprach sie über die Auswirkungen der weltweiten Flüchtlingskrise. Sie hatte Flüchtlingslager in vielen Länder besucht. In einigen Lagern leben oft Hunderttausende Menschen. 
In der Südtürkei habe sie niemanden getroffen, der gesagt hätte: "Ich will hier raus." Es gebe ausreichend Nahrung und Wohncontainer, Schulen und Kindergärten. Die Menschen fühlten sich wohl genug, um zu bleiben. Dann sagte Bärbel Diekmann: "In Jordanien und dem Libanon aber mussten das Welternährungsprogramm und das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen im vergangenen Jahr die Essensrationen um die Hälfte kürzen. Statt 28 Dollar pro Monat für eine vierköpfige Familie bekamen sie nur noch 14 Dollar. Davon kann niemand überleben."
Der Hintergrund: Den Vereinten Nationen fehlte einfach das Geld. Es fiel zu wenig ab vom Tisch der Reichen. Die zugesagten Spenden blieben aus oder reichten nicht mehr. Eine Syrerin wurde in der Wochenzeitung "Die Zeit" mit den Worten zitiert, sie überlege, in ihr Land zurückzukehren, weil ihre Lage in Jordanien vollkommen aussichtslos sei: "Ich sterbe lieber schnell in Syrien, als hier langsam zu verhungern."

Lazarus hat keine Chance!

Szenenwechsel: Eine Lieblingsspeise der Europäer ist Masthähnchen. Mehr als 620 Millionen von ihnen werden allein in Deutschland jährlich geschlachtet. Weil das Brustfleisch besonders beliebt ist, nehmen die Tiere in der Mast durch gezielte Zucht nicht nur eine merkwürdige Form an. Alles, was dann übrig bleibt – Hälse, Füße, Flügel, ja sogar Schenkel – wird aus den Schlachthöfen der EU nach Afrika exportiert, vor allem nach Westafrika. Dort fallen die "Schlachtabfälle" als Billigware vom Tisch des Reichen auf die Märkte. Fast 50.000 Tonnen waren es 2014 allein aus Deutschland.
Die Folge: Einheimische afrikanische Bauern treibt das in den Ruin. Da in Afrika die Kühlkette nicht lückenlos gewährleistet ist, gefährden die "Langstrecken-Exporte" zudem nicht selten die Gesundheit der Abnehmer. Die afrikanischen Länder können sich kaum wehren, weil die Freihandelsabkommen diesen unfairen Handel möglich machen.

Lazarus hat keine Chance!

Lazarus hätte in diesem Leben wohl nur dann eine Chance, wenn der Reiche – du und ich – seine Gleichgültigkeit gegenüber dem Hunger des Armen aufgäbe.

Gerrit Schulte, Diakon



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