Hochzeit

Was sich liebt das traut sich


Trauung, das kommt von Treue – aber wenn zwei Menschen eine Ehe eingehen, dann müssen sie sich nicht nur vertrauen, sondern auch etwas wagen, sich was trauen: Ein Versprechen "bis dass der Tod uns scheidet" gibt man schließlich nicht leichtfertig. Deswegen haben Paare vor einer kirchlichen Trauung meist auch viele Fragen.

Wenn es um Heiratswünsche geht, klingelt bei Pfarrer Baumgart in Osnabrück oft am Montag das Telefon. "Dann hat das Paar am Wochenende zusammengesessen, hat sich die Kirche für die Trauung und den Saal für die anschließende Feier ausgewählt. Jetzt fehlt noch der Priester", sagt der Geistliche. Bevor es aber zur Terminabsprache kommt, stellt Baumgart eine wichtige Frage: "War einer von Ihnen schon einmal ein ganz kleines bisschen verheiratet?" Ist das nämlich der Fall, muss geprüft werden, ob eine gültige Ehe bestanden hat. Eine katholische Trauung wäre in dem Fall in der Regel nicht möglich.


So emotional es vor dem Traualtar auch zugehen mag, eine kirchliche Eheschließung ist doch auch ein Verwaltungsakt. Deshalb muss der Gemeindepfarrer, auf dessen Territorium das Hochzeitspaar lebt, die Formpflicht einhalten. Dazu gehört das Ehevorbereitungsprotokoll. Darin versichern die zukünftigen Eheleute zum Beispiel, dass sie nicht durch Drohung oder Zwang zur Heirat gedrängt werden und dass sie für den Rest ihres Lebens zusammenbleiben wollen. Außerdem ist für eine katholische Trauung wichtig, dass mindestens einer der Partner der katholischen Kirche angehört; es sollte ein Kinderwunsch bestehen und die Trauung muss in einer katholischen Kirche stattfinden.
Für Baumgart ist das Traugespräch eine gute Gelegenheit, das Paar näher kennenzulernen. "Wir stecken den Rahmen ab, das gibt dem Paar ein Gefühl der Sicherheit."

Ob in der Gemeinde engagiert oder nur seltener Gast in der Kirche, ob mit einem fertigen Konzept für die Trauung oder in vielen Fragen noch unsicher – Baumgart beobachtet, dass nahezu alle Paare ein bestimmtes Gefühl mitbringen: "Sie wissen, dass da noch ein Dritter dabei ist. Dass sie in die Kirche kommen, um Gott die Möglichkeit zu geben, in ihrem Leben eine Rolle zu spielen." Und hier setzt der Seelsorger an, wenn das Paar zu einem zweiten Vorbereitungsgespräch kommt: "Das Sakrament der Ehe spenden sich der Mann und die Frau selbst, ich bin nur als Assistent dabei. Wenn sie sich aber die Ringe anstecken, dann tun sie das im Namen Gottes. Aus der Zweiergeschichte wird ein Dreieck."

Mit dem Chor die Lieder absprechen, die Messdiener informieren, Freunde und Verwandte einladen – vor der Trauung gibt es noch viel mehr zu tun. Manchmal hilft eine kleine Auszeit dabei, einen klaren Kopf zu behalten, zum Beispiel in einem Ehevorbereitungsseminar. In so einem Kurs können sich Paare noch einmal bewusst machen, was sie da feiern werden, was es bedeutet, sich öffentlich und vor Gott die Ehe zu versprechen. "Wir stoßen auch Fragen an, die sonst oft unter den Tisch fallen: zum Beispiel, wie das Paar seinen Glauben leben will, welche Werte ihm in der Ehe wichtig sind", sagt der Franziskanerpater Bruder Thomas Abrell, der zusammen mit seinem Team im Haus Ohrbeck regelmäßig Ehevorbereitungskurse anbietet.


Hände mit Trauringen, Bild: fotolia.de, Ivik Ponos

Das Sakrament der Ehe spenden sich die Ehepartner selbst – der Priester assistiert (Bild: fotolia.de, Ivik Ponos)

Ehevorbereitungskurse für alle

Verstaubt und belehrend – das war einmal. Paare, die heute einen katholischen Ehevorbereitungskurs besuchen, erfahren nicht nur, wie Partnerschaft grundsätzlich gelingen kann, aus rechtlicher, organisatorischer und emotionaler Sicht. Sie sind oft auch positiv überrascht, dass die Kirche auf ihre jeweilige Lebenssituation eingeht.
So zum Beispiel in einem Ehevorbereitungskurs in Bremen. Martina Haasner und Thomas Keller sind hier die Ältesten – und ein ziemlich ungewöhnliches Paar: Sie, gebürtig aus Süddeutschland, ist katholisch und hat eine neunjährige Tochter. Er ist konfessionslos, stammt aus Mecklenburg-Vorpommern und hat eine 13-jährige Tochter. Für beide ist es die zweite Ehe, aber die erste, die sie vor Gott schließen wollen.
Martina Haasner und ihr Partner nehmen kein Blatt vor den Mund. Sie hätten sich "mit Bauchschmerzen" für den Kurs angemeldet, den ihnen der Pfarrer empfohlen habe, und noch am Abend vorher heftig diskutiert. Doch nun sind sie angenehm überrascht, vor allem von den Referenten. "Oft blockiert sich die Kirche selbst mit ihren Regeln, doch hier im Kurs spielt das Leben eine Rolle", sagt Thomas Keller. Höchstes Lob aus dem Munde eines Mannes, der der Amtskirche kritisch gegenübersteht. Wenn Martina Haasner den Gottesdienst besucht oder wie vor kurzem die Erstkommunion ihrer Tochter feiert, ist Thomas Keller dabei. "Weil es Dinge sind, die für uns als Familie wichtig sind", erklärt sie. "Die trägt er mit und stellt auch meinen Glauben nicht infrage."

Ein echter Liebesbeweis, findet Dieter Wekenborg. Für den Theologen, Ehe-, Familien- und Lebensberater, der mit Pädagogin Magda Ehmke seit Jahren die Bremer Kurse anbietet, sind Paare wie Martina Haasner und Thomas Keller kein Problem. Sie spiegelten die Realität wieder, vor allem in einer Großstadt wie Bremen. Katholische und evangelische Christen, Konfessionslose, Christen aus Spanien, Polen, Brasilien – auch diesmal ist die Gruppe bunt gemischt. Mit Blick auf die unterschiedlichen Paare sagt Wekenborg: "Ich kann mir nicht vorstellen, dass Gott das nicht gut findet."


Beziehungskiller identifizieren

Alle Fragen sind hier erlaubt, niemand macht Vorschriften oder spricht Verbote aus. Vielmehr geht es um Freiheit im Glauben und darum, eine dauerhafte Partnerschaft zu gestalten. Denn die bleibt ein Ideal. Sie drückt die Sehnsucht nach Halt und Beständigkeit aus in einer Zeit, in der vieles unverbindlich geworden ist. Vielleicht sind auch deshalb die Ehevorbereitungskurse in Bremen immer ausgebucht.

Die Ehe ist kein hohles Ritual. Das gilt es verständlich zu machen. Ehmke und Wekenborg fragen nach Erwartungen, benennen Gefahren: "Stress, Alltag, Gleichgültigkeit, Missverständnisse, Krankheit, Eifersucht, Lügen, Egoismus – jeder kennt solche Beziehungskiller, doch es ist es gut, dass sie hier noch einmal für alle sichtbar aufgelistet werden." In seiner Beratungsarbeit erlebt Dieter Wekenborg häufig Scheitern. "Viele meinen, Partnerschaft funktioniere von selbst, aber sie braucht Pflege", betont er. Wichtig sind zum Beispiel Zeit füreinander, das Gespräch, Versöhnungsbereitschaft und eine gemeinsame Lebensperspektive. Es ist auch gut, wenn Paare das Rüstzeug für kritische Lebensphasen haben: wenn ein Partner krank oder arbeitslos wird oder wenn keine Kinder kommen.

Sich vor den Hochzeitsvorbereitungen noch einmal "auf das Wesentliche" besinnen wollen Astrid Ommer und ihr schottischer Freund Paul Duffy. Deshalb reden sie mit, als es um die Frage geht: Warum kirchlich heiraten? Die Romantik spiele dabei ebenso eine Rolle wie Tradition oder das "tiefere Versprechen" in der Kirche, das mehr wert sei als die "Vertragsgeschichte im Standesamt", sind sich beide einig.



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