FDA

Ein Jahr im Ausland


Für 28 Jugendliche aus dem Bistum Osnabrück ging es in vor eingen Wochen in die weite Welt: sie absolvieren einen Freiwilligen Dienst im Ausland (FDA). Organisiert wird das von Bistum und Caritas. Gerade wurden die 19 jungen Frauen und neun jungen Männer in einem Gottesdienst von Weihbischof Theodor Kettmann gesegnet und in zehn verschiedene Einsatzländer entsandt – unter anderem nach Afrika, Russland und Indien.


Freiwillig zum Dienst im Ausland: Johanna aus dem Bistum Osnabrück, Bild: privat

Freiwillig zum Dienst im Ausland: Johanna aus dem Bistum Osnabrück mit Schulkindern in Kumi, Uganda


Das Bistum Osnabrück hat das Projekt "Freiwillige Dienste im Ausland" im Jahr 1999 gestartet. Junge Männer und Frauen lernen dabei Kirche auf anderen Kontinenten kennen. Die Teilnehmer arbeiten beispielsweise in Straßenkinderprojekten, in Pfarrgemeinden, Bildungshäusern und verschiedenen sozialen Einrichtungen wie Krankenhäusern und Kinderheimen. Über 200 junge Erwachsene haben diesen Freiwilligendienst bislang absolviert. Das Bistum Osnabrück ist anerkannte Entsendeorganisation im entwicklungspolitischen Freiwilligendienst weltwärts des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.


Stephan in Indien, Bild: privat

Stephan lernte während seines Auslandsjahrs unter anderem auch, indisch zu kochen

"Irgendwie fühlt es sich an, als wäre ich im Urlaub", sagt Stephan. "Es ist alles so fremd hier." Aber hier, das ist nicht etwa Kolkata in Indien, wo Stephan das vergangene Jahr verbracht hat. Hier, das ist Wiesmoor in Ostfriesland, wo er sich gerade wieder einlebt. Vor ein paar Tagen ist er nach Hause zurückgekehrt - "und das Ankommen hier ist ähnlich fremd, wie vor gut einem Jahr in Indien."
So richtig wieder da ist er deswegen noch immer nicht. Zu nah ist noch der Alltag in Indien: jeden Tag um fünf Uhr aufstehen, Kinder betreuen, Kultur erleben: "Ich habe eigentlich jeden Tag wieder etwas Neues gelernt - das muss ich erst mal noch alles verarbeiten. Auf jeden Fall war das bis jetzt das wichtigste Jahr in meinem Leben", so sein Fazit. Kein Wunder also, dass ihm der Abschied schwer gefallen ist.
Trotzdem: ein wenig genießt er es schon, wieder in Deutschland zu sein: "Meine Familie wiedersehen und endlich mal ganz in Ruhe mit Freunden einen Kaffee trinken und reden, reden, reden - das habe ich schon vermisst", sagt er. Zwar hat er in Indien neue Freunde gefunden, regelmäßig E-Mails nach Hause geschrieben und auch im Bistumsblog von seinen Abenteuern berichtet, aber den persönlichen Kontakt könne das eben nicht ersetzen. Und doch würde er sofort wieder zurück fahren, wenn er könnte - aber jetzt steht erst mal sein Studium an: VWL und Politik mit dem Schwerpunkt Internationale Beziehungen - "da hat mich das vergangene Jahr auch geprägt", sagt er.
In den nächsten Tagen wird er seinen wichtigsten Draht nach Indien abgeben: ein indisches Handy mit allen wichtigen Nummer. Das bekommt sein Nachfolger aus dem Bistum Osnabrück, der Mitte August nach Indien fliegt, "damit er zumindest weiß, wen er anrufen kann, wenn er am Flughafen nicht abgeholt wird - oder erst drei Stunden zu spät...", sagt Stephan.
Er hält sich derweil an das, was er noch von seinem Auslandsjahr mitgenommen hat: die indische Küche. "In den letzten Wochen vor meiner Rückreise habe ich in Kolkata noch richtig kochen gelernt", erzählt er. "Ich habe massenhaft indische Gewürze mitgebracht. Damit wollte ich meine Familie und Freunde überraschen." Das ist ihm auch ganz gut gelungen – nur das selbst gemachte Reisbier wurde in Deutschland etwas misstrauisch beäugt.


Verena hat ihr Auslandsjahr derweil noch vor sich: Sie wird ab September für zwölf Monate in Tscheljabinsk in Russland wohnen - einer Millionenstadt am Uralgebirge, zwei Tage Bahnfahrt von Moskau entfernt. Gerade hat sie ihr Abitur gemacht, aber das Lernen hört trotzdem nicht auf: "Es ist wie in der Grundschule: Ich muss Buchstabe für Buchstabe entziffern und aneinanderreihen." Und zwar kyrillische Buchstaben! Seit einem halben Jahr paukt Verena russisch, um sich an ihrem Einsatzort verständlich machen zu können. "Ganz schön schwer", so ihr Fazit bislang. "Aber es wird immer besser!" Vor allem auch, weil sie gemeinsam mit einer Klassenkameradin lernt, die ebenfalls bald nach Russland geht - und wegen Dascha: "Sie kommt aus Omsk in Russland und macht gerade einen Freiwilligendienst im Osnabrück."

Im September beginnt das Auswahlverfahren für die Ausreise zum Freiwilligen Dienst im Ausland 2013. Mehr Informationen gibt es hier!



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