Im Fußballhimmel und auf Erden
Fangesänge und Jubelchöre, Fußballgötter und Himmelsstürmer - im Freudentaumel verschwinden sie schon mal, die Grenzen zwischen Fußball und Religion. Dass beide viel gemeinsam haben, ist nicht neu: Rituelle Zusammenkünfte - zur Messe oder zum Spiel, begeisterte Anhänger - Fans und Gemeindemitglieder, und der unbedingte Glaube an Gott, an den Sieg, vereinen hunderttausende Menschen.

Dass Fußball vielen gar als "Ersatzreligion" gilt, geht gläubigen Christen vielleicht etwas zu weit - dass Fußball auch etwas mit Glauben zu tun hat, ist aber unbestritten. Auch in der Deutschen Nationalmannschaft spielt Religion eine große Rolle. "Mit Gott sind wir ein starkes Team" heißt das Buch, dass der DFB pünktlich zur WM herausgibt – mit treffsicheren Zitaten und Gebeten von Nationalspielern wie Arne Friedrich, Piotr Trochowski und Bastian Schweinsteiger. Auch Bundestrainer Joachim Löw, sein Assistent Hansi Flick, Torwart-Trainer Andreas Köpke, Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff und andere prominente Fußballfreunde haben eigene Texte zu diesem besonderen Gebetbuch beigesteuert. Die Botschaft: "Gott ist beim Spiel des Lebens immer dabei!"
Das Vorwort stammt übrigens vom Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode! Er weiß:
"Fußball bedeutet Leidenschaft und Identifikation. Er öffnet Ventile für Emotionen und führt wildfremde Menschen regelmäßig im Stadion zusammen: Sie jubeln und leiden gemeinsam, sie fachsimpeln und sie schimpfen – sie liegen sich in den Armen oder teilen ihre Niedergeschlagenheit. Dabei haben sich phantasievolle Rituale entwickelt, die durchaus Parallelen zu unseren religiösen und kirchlichen Ritualen aufweisen. In ihrer Grundstruktur spricht die Liturgie viele Sinne an: Sie ist geprägt durch Bewegung und uralte Choreographien, sie baut auf das Wort ebenso wie auf den Gesang, und sie setzt darauf, dass die ganze Gemeinde aktiv mittut. Die meisten unserer Gebete und Gesänge haben ihren festen Platz im Gottesdienst. All dies ist im Stadion ähnlich: sei es der Einzug der Mannschaften, begleitet von den Einlaufkindern und den immer wiederkehrenden Melodien; seien es die Antwortgesänge bei der Verkündung der Mannschaftsaufstellung oder sei es das Abschreiten der Fanränge durch die Spieler nach dem Spiel, das zuweilen Anflüge eines Schlusssegens hat. Und ich will dabei gern einräumen, dass unseren Gottesdiensten ein Schuss mehr an Hingabe und Leidenschaft gut zu Gesicht stünde."
Gesagt hat er das übrigens zur Eröffnung der Ausstellung "Im Fußballhimmel und auf Erden" im Diözesanmuseum Osnabrück. Die Sonderausstellung zeigt noch bis November viele spannende Exponate, unter anderem Jürgen Klinsmanns WM-Trainingsanzug aus dem Jahr 2006, eine HSV-Urne, "heiligen Rasen" aus Dortmund und eine "Schalke-Bibel". Also: Wenn Sie gerade mal nicht jubeln und in Ihre Vuvuzelas tröten, schauen Sie doch einfach mal vorbei!
