Pssst! Das Geheimnis des Glaubens

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Es gibt schöne Geheimnisse und dunkle Geheimnisse, Kindergeheimnisse von geheimen Verstecken, Geheimsprachen. Es gibt Brief-, Steuer- und Bankgeheimnisse und es gibt die NSA und andere Geheimdienste. Und für Christen gibt es das größte Geheimnis: das Geheimnis des Glaubens.

„Geheimnis des Glaubens“ – das sagt der Priester im Gottesdienst nach der Wandlung von Brot und Wein zu Leib und Blut Christi. Und die Gemeinde antwortet. „Deinen Tod, o Herr, verkünden wir, und deine Auferstehung preisen wir, bis du kommst in Herrlichkeit.“ Diese Formel erinnert Christen überall auf der Welt immer wieder aufs Neue daran, dass Jesus vom Tode auferstanden ist und dass er, und mit ihm Gott, bei jeder Eucharistiefeier anwesend sind. „Das Geheimnis des Glaubens ist, dass Gott nicht fern und weltenthoben in seinem Himmel ist, sondern dass er einer von uns Menschen geworden ist – von Geburt bis Tod, mit allen Konsequenzen“, erläutert Bischof Franz-Josef Bode, und führt aus: „Da er sich als Gott in diese Abgründe herablässt, untergreift er jede Tiefe und jeden Tod und umfängt sie mit seinem Leben. Das ist das Geheimnis der Auferstehung: Leben umfängt Tod und hält damit auch den gestorbenen Menschen in seinem Leben. In diesem Geheimnis kann ein Mensch daheim sein und damit besser bestehen, selbst wenn er es nicht ganz versteht.“

Geheimnis ohne Ende

Das Geheimnis des Glaubens ist eben auch deswegen so besonders, weil niemand es komplett erfassen kann. Denn dieses Geheimnis ist kein Rätsel, das gelöst werden kann, sondern ein Mysterium, also etwas, das sich Erklärungen prinzipiell entzieht. Das Geheimnis ist vielschichtig: es hat mit Jesus zu tun, mit Gott und dem Heiligen Geist – und mit unserem Glauben. Denn wir können unseren Glauben nicht verifizieren, nur leben. Wir glauben, dass es Gott gibt, ohne es beweisen zu können – eben weil wir glauben, dass er so groß, so anders, ein solches Geheimnis ist, dass wir ihn mit menschlichen Mitteln nicht erfassen können.

Steingrab, Bild: fotolia.de, Glenda Powers
Das Grab ist leer, Jesus ist von den Toten auferstanden – wie hat er das gemacht? (Bild: fotolia.de, Glenda Powers)

Es klingt paradox, aber je mehr man über dieses Geheimnis erfährt, desto geheimnisvoller wird es: Wer wissen will, wer Jesus war und in der Bibel liest, Historiker und Theologen befragt, der kann sehr viel über ihn lernen, aber eben nie alles: wie es sein kann, dass er Wunder gewirkt hat, dass er von den Toten auferstanden ist – dafür gibt es keine Erklärung, das muss man glauben.

Und noch etwas Besonderes gibt es an diesem Geheimnis: Normalerweise werden Geheimnisse bewahrt – um sich oder andere zu schützen, um jemanden zu überraschen oder weil die Hüter des Geheimnisses dazu verpflichtet sind. Trotzdem sind Geheimnisse potentiell immer bedroht, verraten, verkauft oder aufgedeckt zu werden. Beim Geheimnis des Glaubens ist das anders: es ist eines, das jeder kennen darf – es ist geheimnisvoll und gleichzeitig öffentlich, denn der Zugang zu Gott und Glaube steht allen Menschen zur Verfügung. Dieses Geheimnis soll ganz explizit verkündet, also geteilt und weitererzählt werden. Erst so entfaltet es seine ganze Magie.

Denn ein Geheimnis zu teilen, das ist ein großer Freundschaftsbeweis. Ein Geheimnis verbindet und dieses ganz spezielle verbindet uns Christen in der Gemeinschaft der Gläubigen – an Ostern und in jedem Gottesdienst, durch Taten der Nächstenliebe , wenn wir beten und mit anderen über unseren Glauben sprechen. Kurz gesagt: „Das Schönste, was wir erleben können, ist das Geheimnisvolle.“ Dieses Zitat stammt übrigens nicht von einem Theologen, sondern von dem Wissenschaftler Albert Einstein.