Misereor Fastenaktion 2012

"Menschenwürdig leben. Kindern Zukunft geben!"


 ...so lautet das Leitwort der MISEREOR-Fastenaktion 2012. Damit will das weltweit größte kirchliche Entwicklungshilfswerk auf die katastrophalen Lebensbedingungen von Kinder und Jugendlichen in den Elendsvierteln großer Städte hinweisen. Sie leiden darunter, kein sicheres Dach über dem Kopf zu haben. Genügend Essen und sauberes Trinkwasser fehlen. Schwere Arbeit gehört für die meisten zum Alltag. Diese Lebensumstände machen krank. Aber die Behandlung durch einen Arzt und Medikamente können sich die wenigsten leisten. Schule und Ausbildung bleibt vielen verwehrt. 


Es ist schwer, Kinderarmut in den Städten der Welt zu beziffern. Die Menschen, die in Armenvierteln leben, gelten häufig als "Illegale", die nirgendwo offiziell erfasst sind. Es gibt daher keine verlässlichen Angaben über die Zahl der Kinder, die jeden Tag auf der Straße für ihr Überleben arbeiten, statt zur Schule zu gehen. Die zum Teil unter Brücken hausen, sich in Banden zusammenschließen und ihren Hunger mit Klebstoff oder Marihuana betäuben. Geht man davon aus, dass vier von zehn Menschen in einem städtischen Armenviertel jünger als 15 Jahre sind, dann leben 400 Millionen Kinder weltweit in sogenannten Slums - an Bahngleisen und Abwasserkanälen, auf Industriebrachen und am Rand von Müllhalden.
Groß ist die Zahl der Waisen und Halbwaisen, denn Armenviertel sind keine gesunden Orte zum Leben. Mangelernährung, unzureichende Trinkwasserversorgung und fehlende Hygiene sowie gesundheitsgefährdende Arbeitsbedingungen senken die Lebenserwartung der Armen und ihrer Kinder. 

MISEREOR sammelt in diesem Jahr Spenden für Projekte, die vor allem Kindern und Jugendlichen helfen, die in Elendsvierteln und auf der Straße leben.
Zum Beispiel in Nairobi. Hier unterstützt Misereor das Rescue Dada Centre, in dem auch Rachel lebt. "Ich träume von einer Welt, in der jeder Eltern hat, die ihn lieben. Ich habe das nicht. Meine Mutter hat mich immer wieder geschlagen, mit allem was sie finden konnte", sagt die 14-Jährige. Sie lief von zu Hause davon, nur, um auf der Straße Schlimmeres zu erleben. 

In dieser Zeit wurde sie drei Mal von fremden Männern überfallen, verschleppt und vergewaltigt. So wie Rachael ergeht es vielen Mädchen, die in den Armutsvierteln von Nairobi leben. Etwa 35% der rund 60.000 Straßenkinder Nairobis sind Mädchen, die meisten sind jünger als 16 Jahre. Für sie ist das Leben auf der Straße besonders hart, oft müssen sie ihren Körper für den Schutz vor Gewalt und für Essen verkaufen. Die HIV-Raten sind entsprechend hoch. In der Zeit, in der sich Rachael allein auf der Straße durchschlagen musste, führte sie wie so viele Straßenkinder aus den Elendsvierteln der kenianischen Hauptstadt ein Leben ohne Angehörige, Unterkunft, Zugang zu Bildung oder medizinischer Versorgung. 

Rachael fand im Rescue Dada Centre Zuflucht. Der Name bedeutet: "Rette die Schwester" und so liebevoll, als wären es ihre eigenen Schwestern, kümmern sich die Lehrer und Sozialarbeiter des Hilfszentrums um die verlorenen Mädchen von Nairobi. "Hier sind sie gut zu uns Mädchen! Hier fühle ich mich endlich sicher", freut sich Rachael. Die Mädchen erleben im Zentrum zum ersten Mal in ihrem Leben, wie es ist, einen geregelten Alltag zu haben; vier Mahlzeiten am Tag und ein eigenes Bett zu bekommen. Sie lernen, Konflikte untereinander ohne Einsatz von Gewalt auszutragen und können bei Spiel, Musik, Tanz und regelmäßigen Therapiestunden ihre traumatischen Erlebnisse verarbeiten.
Vor allem aber bekommen die Mädchen hier eine Zukunft: Jede wird ihren Fähigkeiten entsprechend an der hauseigenen Schule unterrichtet. Sie erwerben Grundkenntnisse im Lesen, Schreiben und Rechnen und legen mit einer handwerklichen Ausbildung den Grundstein für eine selbstbestimmte Zukunft. "Ein Mädchen, das zur Schule geht, kann später einen Beruf erlernen und seine Familie ernähren – sogar die eigenen Eltern", weiß Mary Njeri Gatitu, Leiterin des Zentrums. Eine gute Schulbildung ist für viele Straßenkinder ein fast unerreichbares Ziel. Der Besuch der Grundschule ist in Kenia zwar seit einigen Jahren kostenlos, allerdings lernen die Schüler hier unter schlechtesten Bedingungen: Bücher und Schulmöbel fehlen und oft muss ein einziger Lehrer 100 Kinder unterrichten. Gut ist die Schulbildung nur an den teuren Privatschulen. In einem Land, in dem 25 Prozent der Bevölkerung von weniger als einem Dollar pro Tag leben, können sich die Wenigsten diesen Luxus leisten. 

Über die Jahre hat das von MISEREOR unterstützte Zentrum einigen Hundert Mädchen den Weg von der Straße zu einer hoffnungsvolleren Zukunftsperspektive geebnet. Allein in den letzten vier Jahren konnten 135 Mädchen erfolgreich in ihre Familien reintegriert werden, und 277 Mädchen beendeten Dank der Unterstützung des Rescue Centres ihre Schulausbildung. Der Leiterin des Zentrums ist dies allerdings noch nicht genug: "Wir werden erst zufrieden sein, wenn keine Mädchen mehr auf den Straßen Nairobis leben müssen."

 

In den Gemeinden des Bistums Osnabrück wird am Sonntag, 25. März, für MISEREOR gesammelt. Im vergangen Jahren hatten die Katholiken im Bistum Osnabrück bei der MISEREOR-Kollekte rund 735.500 Euro gespendet.


Video

 

Nairobis Straßenkindern eine Zukunft geben

Ein Dritteln der Straßenkinder in Nairobi sind Mädchen. Sie gehören in den Elendsvierteln zu den Schwächsten. Das "Rescue Dada Centre" gibt diesen Mädchen ein Zuhause. Was das heißt, kann man hier im Film sehen.

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